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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Störungsbild: Einnässen tags (Harninkontinenz)

Geht der Harn tagsüber ungewollt ab, bezeichnet man dies als Harninkontinenz. Während noch 2-3 % der 7-Jährigen tagsüber einnässen, sind unter den Jugendlichen weniger als 1 % betroffen.  

Kinder mit Dranginkontinenz müssen häufiger auf die Toilette als andere Kinder. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungs. Die Blase zieht sich bei ihnen schon bei kleinen Urinmengen zusammen und löst einen Harndrang aus. Dieser Mechanismus wird bei den Betroffenen vom Gehirn nicht ausreichend gehemmt. Da der Harndrang sehr plötzlich sehr dringend werden kann, entwickeln die Kinder oft Haltemanöver wie das Aneinanderpressen der Oberschenkel, das unruhige hin- und her Treten von einem Bein auf das andere oder das Anspannen der Beckenbodenmuskulatur. Kommen sie nicht schnell genug zur Toilette oder sind sie müde, nässen sie ein. In der Regel wird die Unterhose jedoch nur leicht feucht, meist also nicht richtig nass. Die betroffenen Kinder leiden häufiger unter Harnwegsinfekten als andere Kinder.

Schieben Kinder den Toilettengang dagegen auf, so gehen sie seltener als 5-mal am Tag zur Toilette oder vermeiden es in bestimmten Situationen die Toilette aufzusuchen (Harninkontinenz bei Miktionsaufschub). Manche Kinder opponieren auf diese Weise auch gegen Wünsche und Anordnungen der Eltern. Die Blase entleert sich dann u. U. ungewollt.

Liegt eine Störung der Blasenentleerung vor, müssen die betroffenen Kinder heftig gegen den Widerstand des Schließmuskels anpressen (Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination). Gelegentlich ist der Harnfluss auch unterbrochen. Statt sich zu entspannen, zieht sich der Schließmuskel der Blase beim Wasserlassen zusammen. Die Blase entleert sich dann nicht vollständig, so dass die betroffenen Kinder u. U. häufig an Harnwegsinfekten erkranken.  Diese Symptome treten oft in Kombination mit Obstipation und Enkopresis auf.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Alexander von Gontard, Homburg/Saar (DGKJP)