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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Die Therapie einer Depression bei Kindern und Jugendlichen umfasst mehrere Behandlungsebenen (vgl. auch Leitlinie der Fachgesellschaften unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/028-043.html). Je nach Ausprägung und Schweregrad werden (die in Deutschland anerkannten) psychotherapeutische Verfahren alleine oder in Kombination mit Medikamenten eingesetzt. Die Psychotherapie (die beste Evidenz zeigen derzeit verhaltenstherapeutische Elemente auf) hilft dem Jugendlichen, sich besser zu verstehen, mit Stress besser umzugehen, sein Selbstwertgefühl wieder herzustellen und seine Beziehungen zu verbessern. In der Therapie ist es wichtig, einen tragfähigen Dialog zwischen dem Betroffenen, seinem Therapeuten aber auch anderen Bezugspersonen wie Eltern, Geschwistern, Lehrern oder Freunden zu erreichen. Der familiäre Rückhalt ist von entscheidender Bedeutung für die für die Therapieplanung. Das soziale Umfeld spielt auch bei der Risikoabschätzung für Suizid eine große Rolle.

Bei einer leichten depressiven Erkrankung ist eine psychosoziale Behandlung wichtig, die eine Beratung der Eltern (Psychoedukation) mit einschließt und auf eine Beseitigung von emotional belastenden Faktoren abzielt. In vielen Fällen lassen sich damit die Symptome ausreichend reduzieren.

Bei mäßig schweren Depressionen steht eine meist ambulante psychotherapeutische Behandlung im Vordergrund, die durch eine altersgerechte, medikamentöse Therapie ergänzt werden kann. Sind die sozialen Funktionen stark eingeschränkt (z.B. kein Schulbesuch mehr aufgrund der Depression) kann ein stationärer oder teilstationärer Behandlungsaufenthalt sinnvoll sein.

Schwere depressive Episoden machen in den allermeisten Fällen aufgrund des hohen Suizidrisikos eine stationäre Behandlung und einen frühen Einsatz von Antidepressiva erforderlich.

Die Medikation dient auch als „Krücke“, damit psychotherapeutische Verfahren schneller und besser helfen können. In den Medien wurde über das Risiko von suizidalen Gedanken bei Antidepressiva-Einnahme berichtet. Bei entsprechender ärztlicher Überwachung sind die entsprechenden Antidepressiva jedoch sicher und auch hilfreich.

Jugendliche mit einer bipolaren Störung können ebenfalls wirkungsvoll behandelt werden, wobei hierbei die medikamentöse Therapie im Vordergrund steht. Die Behandlung umfasst neben der Aufklärung des Betreffenden und der Familie über die Krankheit auch psychotherapeutische Verfahren sowie gegebenenfalls Medikation. In erster Linie sind hier sogenannte atypische Antipsychotika im Einsatz.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Michael Kölch, Berlin (DGKJP)