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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Diagnostik von Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht)

Das schwierige bei der Diagnosestellung von Bulimie ist, dass die Betroffenen trotz erkennbaren Leidens häufig aus Scham lange Zeit jeglichen ärztlichen Kontakt meiden. Die Diagnose ergibt sich im Wesentlichen aus den Schilderungen des Patienten bzw. ihrer Angehörigen.

Als klares Indiz für eine Bulimie gilt eine Mindesthäufigkeit von zwei Essattacken pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten und die regelmäßige Einnahme von Appetitzüglern o.ä. Medikamenten. Man unterscheidet dabei zwischen dem so genannten Purging-Typus (bei dem Erbrechen oder Missbrauch von Laxanzien, Diuretika, Einläufen, etc. besteht) und dem Nicht-Purging-Typus (bei dem die Gewichtsabnahme durch Fasten, Diäten und/oder intensive körperliche Betätigung erfolgt). Es ist nicht immer leicht, eine Bulimie von anderen Essstörungen wie Magersucht und Heisshunger-Essen ohne Gegenmaßnahmen (Binge-eating) abzugrenzen, da viele Patientinnen mit Bulimie neben Essattacken oft auch Phasen mit anhaltenden anorektische Symptomen aufweisen, so dass die Abgrenzung zu anderen Essstörungen oft schwer ist.

Für die Planung eines geeigneten Therapieablaufs ist es notwendig, weitere psychische Störungen oder begleitende psychiatrische Erkrankungen der betroffenen Patienten zu erkennen. Neben der Persönlichkeitsstörung Borderline-Syndrom müssen eventuell auch Erkrankungen wie depressive, neurotische und psychotische Krankheitsbilder sowie Angststörungen berücksichtigt werden. An Bulimie Erkrankte neigen darüber hinaus zu selbstverletzendem Verhalten, Alkohol- und Drogenmissbrauch und sind stärker selbstmordgefährdet.

Zur Diagnostik und Verlaufsbeobachtung einer Bulimie eignet sich neben einer gründlichen und umfassenden Anamnese das “Strukturierte Interview für Anorexia und Bulimia nervosa“. Hiermit lassen sich neben dem Schweregrad der Erkrankung auch zusätzlich bestehende Krankheiten erfassen. Es können auch verschiedene Fragebögen zur Selbstbeurteilung herangezogen werden.

Fachliche Unterstützung: Dr. Freia Hahn, Viersen (BKJPP)