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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen

Es gibt Kinder, die sich für ihre Umwelt kaum oder gar nicht interessieren. Andere wiederum schreien permanent und meiden so gut es geht jegliche Art von Berührung. Hinter diesen Auffälligkeiten kann sich zwar eine autistische Störung verbergen, aber auch andere Erkrankungen oder eine extreme Variante der normalen Entwicklung. Es ist daher schwierig, vor dem 18. Lebensmonat eine sichere Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung zu stellen.

Anhand spezieller Fragebögen (für Patienten und Angehörige) hinterfragt der Kinder- und Jugendpsychiater daher die Entwicklung des Kindes und die auftretenden Anzeichen genauestens. Autismus-Spektrum-Störung sind vor allem durch folgende drei Hauptmerkmale gekennzeichnet: gestörte soziale Interaktion; beeinträchtigte Kommunikation/Sprache sowie wiederholte, stereotype Verhaltensweisen und Interessen. Die genaue Einordnung einer Entwicklungsstörung mit autistischen Zügen kann oftmals erst nach langer Beobachtung erfolgen.

Folgende Verhaltensweisen können auf eine Autismus-Spektrum-Störung hinweisen:

  • Tiefgreifende Beziehungs- und Kommunikationsstörung, d.h., das Kind wendet sich von seiner Umwelt ab und knüpft kaum oder gar keine sozialen Kontakte, nicht einmal zu den eigenen Eltern; es vermeidet sowohl Blick- als auch Körperkontakt.
  • Der Betroffene zieht sich zurück und lebt in seiner eigenen Welt, zu der andere wenig Zutritt haben. 
  • Das Kind entwickelt Stereotypien, d.h., es macht immer wieder dieselben, oft sinnlosen Dinge in immer gleicher Art und Weise.
  • Das Kind macht ständig merkwürdige, abnorme Bewegungen.
  • Das Kind entwickelt teilweise aggressive Verhaltensweisen seinen Mitmenschen oder sich selbst gegenüber.
  • Das Kind gibt keine Antworten auf Fragen, sondern wiederholt diese lediglich (Echolalie) bzw. es zeigt deutliche Defizite in der Sprachentwicklung.
  • Wenn man das Kind ruft, wirkt es wie taub. Auf andere, oft harmlose und völlig alltägliche Geräusche reagiert es dagegen mit heftigen Abwehrreaktionen.
  • Der Betroffene lehnt Veränderungen jeglicher Art ab.
  • Das Kind hat verschiedene Störungen bei der Nahrungsaufnahme (z.B. Kauprobleme) und starre Vorlieben für bestimmte Speisen.
  • Bereits vorhandene Fähigkeiten bilden sich zurück.

Mittels einer umfangreichen körperlichen, psychiatrischen, neurologischen und labormedizinischen Untersuchung grenzt der Kinder- und Jugendpsychiater andere Krankheitsbilder wie Epilepsie, ADHS, Angst-, Zwangs- und Tic-Störungen ab. In Kooperation mit anderen Fachärzten müssen mögliche Hör- und Sehstörungen ausgeschlossen werden.

Ebenso ist nach erfolgter Diagnose eine humangenetische Untersuchung und Beratung der Familie zu empfehlen. In einzelnen Fällen muss auch eine ausführliche kinderneurologische Untersuchung, einhergehend mit EEG-Untersuchung, Bildgebung des Gehirns sowie Ausschluss von Stoffwechsel-, Muskel- oder Autoimmunerkrankungen erfolgen. Diese Untersuchungen bei entsprechendem Verdacht vom Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater veranlasst werden.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Dipl. Theol. Christine M. Freitag, Frankfurt (DGKJP)