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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Ratschläge und Tipps zum Umgang mit ADHS(-Verdacht)

Lassen Sie anhaltende Verhaltensauffälligkeiten Ihres Kindes unbedingt von einem Kinder- und Jugendpsychiater abklären, denn das frühzeitige Erkennen einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung ist sehr wichtig.

Kinder mit vorherrschender Unaufmerksamkeit oft unerkannt

Etwa 500.000 Kinder und Jugendliche im Schulalter zählen zu den ADHS-Patienten. Doch bei den überwiegend unaufmerksamen, wenig hyperaktiven „Träumern“ wird das Verhalten häufig erst spät als Störung diagnostiziert. Der Leidensdruck der Familien ist oft ganz anders als mit einem stark hyperaktiven Kind, welches meist durch sein extrem unruhiges, impulsives und zum Teil aggressives Verhalten auffällt. Beim überwiegend unaufmerksamen Typ dominieren meist Schulprobleme und Interaktionsschwierigkeiten mit Gleichaltrigen.

Wenn Ihr Kind ständig unkonzentriert wirkt und häufig in Tagträumen versinkt, sollten Sie sich daher von einem Kinder- und Jugendpsychiater beraten und abklären lassen, ob hinter den Anzeichen eine echte Aufmerksamkeitsstörung steckt.

Nach der ADHS-Diagnose

Leidet Ihr Kind an ADHS, so kann sich das erheblich auf Ihr Familienleben auswirken. Sie sollten daher professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und das vom Kinder- und Jugendpsychiater empfohlene Therapieangebot voll ausschöpfen. Ein umfassendes Behandlungskonzept ist für Ihr Kind wichtig. Im Rahmen eines Elterntrainings lernen Eltern u.a. alles über die Auswirkungen einer ADHS, was sie im Umgang mit ADHS-Patienten beachten müssen (z.B. einfache und klare Regeln, strukturierter Tagesablauf, Anweisungen müssen einzeln erfolgen, konsequentes Verhalten etc.) und wie sie durch ihr Verhalten Spannung aus dem Erleben des Kindes nehmen können.

Bei Ihrem Kind liegt eine Störung vor, welche seine Entwicklung nachhaltig beeinflussen kann. Sie sollten akzeptieren, dass sich Ihr Kind nicht zum Spaß oder aus Trotz so verhält. Es leidet selbst unter seinem Verhalten. Ihr Kind braucht Sie! Nehmen Sie Ihr Kind so an wie es ist, heben Sie die positiven Seiten Ihres Kindes hervor. Besondere Begabungen sollten früh erkannt und gefördert werden. Sie steigern das Selbstwertgefühl, da das Kind merkt, dass es doch etwas kann. Legen Sie ansonsten hinsichtlich der Fähigkeiten keine Altersnorm an, sondern betrachten und loben Sie die Fortschritte Ihres Kindes im Rahmen seiner eigenen Entwicklung.

Eltern sollten die näheren Kontaktpersonen ihres Kindes in die pädagogischen Maßnahmen einbeziehen, um ihre Unterstützung bitten und vermitteln, wie wichtig z.B. Aufmerksamkeit, Kontrolle und klare Strukturen für das Kind sind.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Tobias Banaschewski, Mannheim (DGKJP)