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Herbst-Winterdepression tritt bei Frauen häufiger auf

Von der saisonalen Depression (SAD, von Seasonal Affective Disorder), die überwiegend in Herbst und Winter auftritt, sind vermehrt Menschen jüngeren Lebensalters betroffen - und dabei häufiger Frauen als Männer. Schätzungen gehen davon aus, dass in unseren Breiten etwa 10 bis 20 Prozent der Einwohner eine leichte Form der saisonalen Depression entwickeln. Bei weiteren fünf Prozent kommt es zu einer ausgeprägten depressiven Episode mit deutlichen Symptomen.

„Je nach Ausmaß können saisonale Depressionen zu mehr oder weniger starken Einschränkungen der emotionalen Befindlichkeit und der Leistungsfähigkeit führen. Charakteristische Symptome sind eine subjektiv erlebte Energielosigkeit, verstärkte Tagesmüdigkeit sowie Gewichtszunahme und Heißhunger auf kohlenhydratreiche Nahrungsmittel. Auch Angstzustände und eine depressive Stimmungslage, die sich im Verlauf der Herbst-Winter-Monate steigern kann, können auftreten“, erklärt Dr. Christa Roth-Sackenheim vom Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP). „Typisch für die Störung ist das wiederholte Auftreten depressiver Phasen, die dabei einem saisonalen Muster folgen. Am häufigsten liegt der Beginn im Herbst und Winter und die Beschwerden klingen im Frühjahr und Sommer wieder ab. Doch es gibt auch Sommerdepression mit umgekehrtem Verlauf, die jedoch wesentlich seltener vorkommt.“ Wenn das jahreszeitliche Muster von depressiven Episoden über mindestens zwei Jahre besteht und keine anderen depressiven Phasen auftreten, kann die Diagnose SAD gestellt werden.

Abklärung der Depressionsform von großer Bedeutung

Bei ausgeprägten Beschwerden, einem hohen Leidensdruck oder Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags sollte ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie konsultiert werden. „Um eine wirksame Behandlung durchführen zu können, ist es wichtig ist zu klären, ob es sich um eine saisonale Depression oder um eine andere Depressionsform handelt“, betont die Psychiaterin und Psychotherapeutin aus Andernach. „Im Unterschied zur saisonalen Depression geht beispielsweise eine «echte» Depression meist mit Appetitverlust und Schlafstörungen einher.“ Die Diagnose sollte unbedingt einem Facharzt überlassen werden, damit eine geeignete Therapie eingeleitet werden kann.

SAD ist gut behandelbar

Zur Behandlung von saisonalen Depressionen stehen verschieden Möglichkeiten zur Verfügung. Die therapeutische Zufuhr von sehr hellem weißem Licht kann als Mittel der ersten Wahl herangezogen werden. „Eine Lichtbehandlung mit einer speziellen 10.000-Lux-Lampe kann bei SAD sehr wirksam sein. Die tägliche Behandlung für rund 30 Minuten sollte so bald wie möglich nach dem Erwachen stattfinden und muss gegebenenfalls über die gesamte Risikozeit durchgeführt werden. Dabei wird bei einem Abstand von circa einem Meter zur Lampe alle 90 Sekunden der Blick für 3 Sekunden direkt in die Lichtquelle gerichtet. Das helle Licht gibt über die Netzhaut des Auges wesentliche aktivierende Impulse an das Gehirn weiter. Bei vielen Betroffenen tritt meist nach zwei bis drei Wochen eine deutliche Besserung des Befindens ein“, ergänzt Dr. Roth-Sackeheim. „Eine weitere therapeutische Möglichkeit ist unter anderem die Einnahme einer bestimmten Gruppe von Antidepressiva, den so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI).“

Als Risikofaktor für die Entwicklung einer saisonalen Depression gilt einmal die reduzierte Wahrnehmung von Licht über die Netzhaut und der überwiegende Aufenthalt in Innenräumen und die damit die fehlende UV-Licht-Exposition in den Herbst-Winter-Monaten. Vorbeugen lässt sich eine SAD oftmals durch bereits einen einstündigen Aufenthalt oder Spaziergang im Tageslicht. Dabei sollte man oft in den Himmel schauen, selbst wenn der Himmel bedeckt ist. Die Spaziergänge helfen dem Körper zusätzlich, auch über das UV-Licht genügend aktives Vitamin D in der Haut zu bilden.

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